Seinen Namen verdankt das Haus der Annahme, dass sich anstelle des heutigen Gebäudes eine Münzprägestätte befunden haben soll.
Auf dieser Seite möchten wir mit Ihnen in die über 400-jährige Geschichte eines der markantesten Gebäude in der Wetzlarer Altstadt aus der Epoche der Renaissance eintauchen.
Geprägt wurde in Wetzlar, wenn auch nur kurzfristig, schon Anfang des 11. Jahrhunderts. Mit der Errichtung der staufischen Reichsburg Kalsmunt (vermtl. 1180) wurde die Münzstätte dann bis in das Jahr 1190 auf die Burg verlegt.
Anschließend scheint sich die Münzprägung wieder vom Kalsmunt in die Stadt verlagert zu haben.[1]
1283 ist eine Münzstätte innerhalb den Toren Wetzlars erwähnt, die dort am Eisenmarkt gestanden haben kann, wo heute Wetzlars schmucker Fachwerkbau steht.[2]
[1] Vgl. Stoess, C.: Die Münzstätten Kalsmunt und Wetzlar bis ca. 1190, in: Stoess, Diry, Steinbach (Hg.): Münzstätten, Münzprägung, und Münzwege des Mittelalters in Hessen, Bd. 12, S. 417.
[2] Vgl. Schäfer, I: Den schönsten Fachwerkbau herausgeputzt, in: Wetzlarer Neue Zeitung (2007), Jg. 62, Nr. 307, S. 14.
Das heutige Gebäude „Zur Alten Münz“ wurde 1599 errichtet. Vermutlich gehörte der Bauherr zu den reformierten wallonischen Glaubensflüchtlingen, die 1586 in Wetzlar Aufnahme gefunden hatten. Darauf deutet unter anderem eine französische Inschrift an der Fassade hin.[1]
Bemerkenswert sind die Inschriften in deutscher, lateinischer und französischer Sprache. Religiöse Sinnsprüche und Lebensweisheiten gehören ebenso zur Fassade wie die aufwendig gearbeiteten Schnitzereien, Ornamente und Wappen.[2]
Sie geben einen Einblick in die Entstehungszeit des Hauses und machen die „Alte Münz“ zu einem der markantesten Renaissancebauten der Wetzlarer Altstadt.
[1] Vgl. Stadt Wetzlar: Zur Alten Münz, Eisenmarkt 9; Schäfer, I.: Den schönsten Fachwerkbau herausgeputzt, in: Heimat an Lahn und Dill / Wetzlarer Neue Zeitung, 11.11.2007, Jg. 62, Nr. 307, S. 14.
[2] Vgl. Schäfer, I.: Den schönsten Fachwerkbau herausgeputzt, a. a. O., S. 14.
Das Fachwerk der „Alten Münz“ war lange Zeit nicht in seiner heutigen Form zu sehen. 1907/1908 wurde das zuvor verdeckte Fachwerk wieder freigelegt. Gleichzeitig wurde das Erd- und Zwischengeschoss verändert und durch den heute sichtbaren Sandsteinunterbau ersetzt.[1]
Damit traten auch die reich verzierten Hölzer, Schnitzereien, Inschriften und Wappendarstellungen wieder stärker hervor. Bei späteren Restaurierungsarbeiten fanden sich zudem Spuren der früheren kräftigen Farbgebung der Fassade.[2]
2024 wurde die Fassade erneut restauriert. Rot, Orange, Grün und Gold setzen seither wieder markante Akzente zwischen dem dunklen Fachwerk.
Frisch, frech, farbenfroh und damit wie gemacht für GÖTZL.
[1] Vgl. Schäfer, I.: Den schönsten Fachwerkbau herausgeputzt, in: Heimat an Lahn und Dill / Wetzlarer Neue Zeitung, 11.11.2007, Jg. 62, Nr. 307, S. 14.
[2] Ebenda. Schäfer berichtet im Zusammenhang mit der damaligen Restaurierung ausdrücklich von Spuren der früheren „leuchtenden Farbigkeit“ und der wieder hervortretenden farbigen Schnitzereien.
Die Lage am Eisenmarkt hat die Nutzung der „Alten Münz“ über lange Zeit geprägt. Neben dem Wohnen wurde das Haus immer wieder auch gewerblich genutzt.
Im 19. Jahrhundert befanden sich hier unter anderem eine Metzgerei und eine Schankwirtschaft. 1914 wurde im Erdgeschoss ein Café eingerichtet, das mit wechselnden Inhabern bis 1933 bestand. Danach folgten weitere gewerbliche Nutzungen und Ladengeschäfte.[1]
Seit dem 26. August 2022 befindet sich hier die Boutique GÖTZL – Zur Alten Münz. Damit wird die lange Geschichte des Hauses als Geschäftsadresse am Eisenmarkt fortgeführt.
[1] Vgl. Schäfer, I.: Den schönsten Fachwerkbau herausgeputzt, in: Heimat an Lahn und Dill / Wetzlarer Neue Zeitung, 11.11.2007, Jg. 62, Nr. 307, S. 14.






